Nach sieben Jahren hat das Café Kunterbunt in Vollmarshausen die Tür geschlossen. Demnächst öffnet hier eine Praxis für Hypnose.

Es war die gemeinsame Idee von Sandra Stockder (46) und ihrem Lebengefährten, ein Café an diesem Ort gegenüber der Dorflinde zu eröffnen. Vor 13 Jahren war sie nach Vollmarshausen gezogen - in die Wohnung direkt über dem späteren Café. Ursprünglich habe auf beiden Etagen eine WG gewohnt, als diese auseinanderging, stand die Erdgeschosswohnung kurze Zeit später leer. „Es war einfach der ideale Ort für ein Café“, erzählt Stockder. Die gelernte Familienkinderkrankenschwester betrachtete das Café als Hobby.

Anfangs von Montag bis Freitag und versuchsweise sonntags geöffnet, richtete sich die Cafébetreiberin bald nach den Öffnungszeiten der gegenüberliegenden Musikschule. Ihr fehlte die Laufkundschaft, doch auf die Besucher der Musikschule war Verlass. Weitere Einnahmen hatte Stockder durch Gruppen. Auch Kindergeburtstage, Kommunion und Konfirmation wurden hier gefeiert. Aber: „In einem Monat kamen fünf, den nächsten Monat gar keine Gruppen.“ Kuchen backte sie irgendwann nur noch nach Voranmeldung.

Für kurzzeitigen Besucheransturm sorgte vor zwei Jahren der Anbau einer Terrasse. Doch dieser war nur von kurzer Dauer. „Der Betrieb war schon im vergangenen Jahr rückläufig, sodass ich 2016 nicht einmal mehr die Miete herausbekam“, erzählt Stockder. Sie habe deshalb zum 30. Juni gekündigt.

Das Bemühen des Vermieters, das Café mit einem neuen Mieter aufrechtzuerhalten, scheiterte. Er habe die Immobilie als Caféraum inseriert - „da kam keine Reaktion“, sagt Heiner Gröschner, dem der komplette Hof gehört und der gegenüber einen Hofladen hat. Es sei wohl etwas anderes, wenn ein Café in einer Fußgängerzone liege, wo sich die Leute vom Einkaufen ausruhen.

Auf der Suche nach einem Nachmieter stieß er letztlich auf die Biolandwirtin Marion Hanekamp. Die Kaufungerin will mit einer Praxis für Hypnose den Sprung in die Selbständigkeit wagen. Dazu wurde in eine für das Café durchgebrochene Wand wieder eine Tür eingebaut.

Hanekamp, die auch Yogakurse gibt, schwärmt von der Lage: „Die Räume sind schön ruhig, genauso, wie ich das für die Hypnose brauche.“ Dass sich der eine oder andere Vollmarshäuser erst an die neue Nutzung des Cafés Kunterbunt gewöhnen muss, verdeutlichte eine Begegnung mit einem jungen Mann, der vorbeikam. „Ich erzählte ihm, dass ich Hypnose mache, und er hielt sich erst einmal die Augen zu.“

Um Vorurteile abzubauen, will Hanekamp Anfang September mit einem Tag der offenen Tür ihre Praxis eröffnen.

Öffnet externen Link in neuem FensterHier lesen Sie den Artikel von Anna Lischper auf der HNA-Homepage.

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