De Dreikammerklärgrube vorm Bürchermeisteramt

S äs jo gerade kinn appetitliches Thema, awer mä muss jo mo dröwer sprechen dürfen.

Als mä Kinner noch kleene waren, sprechme me so, vor 50 Johren, do hots kinn WC gegeben, sondern nur’n Blumsklo - entweder im Schwinnestall oder bien Zächen oder au im Päre- oder Kiwestall. Mä daheime hatten awer schon relativ früh son wasserbetriebenes Klo. S Problem war nur im Winter, alses noch so richtig kahle Winter gegäben hot, do fror de Wasserlitunge immer in, un do nutzte einem s modernste WC nix. Und do musste ich als klener Wanst runner innen Keller zun Schwinnen. Un do hatte ich immer Angest, das mä ne Ratte von unnen kimmet. Naja es is nix passiert.

Um uff das eichentliche Thema zurückezukommen muss ich erschtemo erklären, was ne Dreikammerkläregrube üwerhaupt äs. Also, das war ne viereckiche Gruwe uss Beton, meist direkt am Huse, die drei Kammern hatte - so hinnenanger weg. In de erste Kammer kams s’Growe, wenn die voll war, isses Dünne in de zweite Kammer geflossen und dann in de Dritte - donach innen Fahrenbach, bi uns innen Eggenbach. S’warhalt so schon n bisschen gereinicht gewäsn.

Un so war’s auch biem Bürchermeisteramt. Als ich 1989 als der Schef von der Musikschule angefangen honne - min Büro war jo im ahlen Bürchermeisteramt von Vollmarschhusen, quasi in der Amststobbe vom Ehrenbürchermeister Friedrich, do hobs ich mäh jo erstemo hübsch härgerichtet un hatte jo au mittem Uffbau von der Musikschule genuch zu tun. Do war wenig Zit, mich um de Abwasserentsorgung vom Huse zu kümmern. Zu dem Zeitpunkt rochs vorm Huse au noch ganz anstännig.

Nachen paar Joren, na so Ende der Neuziger, kam mä aber immer, wenn ich uss der Däre kam son märkwürdiger Geruch in de Nase. Also ich bin jo nu uffen Dorfe groß geworden un midden Gerüchen vonnen Schwinnen, Pären un Zächen kannte ich mich uss. Awer so rochs nit.

Naja irchemwann hatte ich de Klärgrube näben der Treppe vom Bürchermeisteramt im Verdacht. Die war au komischerweise noch immer zu sähen - mit som Isendeckel oben druffe. Das müssten eichentlich au alle Vollmäschieser gerochen honne, wennse am Usshängekasten der Gemeinde geguckt honne, wer so gestorben äs. Der war nämlich direkt do dröwer.

Jedenfalls honn ich irchenwann mo bi der Gemeinde angerufen, ich glauwe s’war biem Schölzchen. Der meinte awer, das könnte gar nit sinn, dasses us der Kläranlache stinket, do alle Kläranlachen innen 70ern stillgelächt un annen Kanal angeklämmet worden sin.

Awer der Geruch ging nit weg und do honn ich selwer mo Hand angelecht, un honn den Isendeckel von der Kläranlache hochgehoben - un ich kann uch sachen, was mä do entgechenkam, muss ich glauwe ich nit näher beschriebn, se war jedenfalls randvoll.

Se glauwen gar nit wie schnell de Gemeinde in Wallung kam. Ruckzuck war son Abpumpauto do un nachner Stunne war alles leer. Un au ruckzuck waren de drei Kammer abgerissen und mitten Kanalrohr üwerbrückt, d.h. mä hot einfach s Abwasserrohr vom Huse annen Rohr angeschlossen, von dem me glaubte, dass das das Verbindungsrohr zur Dorfkanalisation gewäsen äs. Doch wie sich nachner Weile rusställte war dassen Irrtum.

Irchenwanne nach so nem halwen Johr war ts Klo in der Musikschule, inzwischen hat fast gar keiner mehr vom Bürchermeisteramt gesprochen, verstobbet. Wie me das dann so macht, kimmet erschtemo sone Firma, um mitner Kamera de Rohre zu filmen. Nach ner Weile kam der Regisseur vom Fernsehteam zu mä ins Büro un hot gesprochen, sä kämen mit der Kamera gar nit wider, als wenns ne Sackgasse wäre.

Un so wars dann au. Se honn festgestellt, dass das Abwasserrohr, was se angeklämmet hatten unner der Musikschule derch in Richtung vom Bache lief und do plötzlich uffhörte. Kurz druff rückten se mit schweren Bagger an und baggerten sich hinner der Musikschule quasi direkt neben der Betonröhre vom Bache innen Unnergrund. Nach ner Weile stank es so bestialisch, weil se uffs Ende des Abwasserrohres gestoßen sin.

Un wie is der Erklärung? Innen 70ern, alsen Bach in de Röhre verbannt honne, de HNA hot domols geschriewen, dass endlich was getan würde fürn Umweltschutz, weil der Bach nun nit mehr so stinken täten würde, naja ... Jedenfalls honnse bi disser Aktion einfach ds Rohr, was ursprünglich im Bach endete, abgebaggert, vielleicht honses au gar nit gemerkt oder honn gedacht, dass de Hieser eh am Kanalnetz angeschlossen sinn. Dann is de Betonröhre gekommen un nichts konnte mehr innen Bach laufen.
S´wär jo au nit widder schlimme gewäsen, wennse vor dr Musikschule, de Dreikammerkläregrube ans Kanalnetz angeschlossen hätten.

Un so is de Musikschule etwa 15 Johre nit am öffentlichen Kanalnetz angeschlossen gewäsen.
Zum Glügge geh’n de Kinner bi uns nit so oft uffs Klo.

(Uffgeschrewwen von Schniedersch Reinhard)


 

 

Senden Sie uns Ihre persönliche Dorfgeschichte zu!

Hatten Sie ein Erlebnis oder freuen Sie sich auf eines, welches Sie besonders mit Vollmarshausen verbinden?

Ob heiter oder ernst, ob prägend oder flüchtig, ob vergangen oder noch bevorstehend - schreiben Sie es auf und senden Sie uns Ihre ganz persönliche Dorfgeschichte zu. Die muss gar nicht lang sein. Vielleicht ist es auch nur ein Foto, zu dem Sie eine kurze Erklärung geben.

Die Idee: An dieser Stelle werden alle Dorfgeschichten gesammelt und vorgestellt, um auf diese Weise die vielen Facetten aufzuzeigen, die Vollmarshausen ausmacht.

Senden Sie Ihre Texte und Fotos an: info(at)vollmarshausen1000.de.

Wir sind gespannt und freuen uns auf Ihre ganz persönliche Vollmarshäuser Dorfgeschichte!

Der Countdown

Bis zum Beginn des Jubiläumsjahres 2019 sind es noch genau

Nächster Termin

13.03.2018, 19:00 Uhr

Und weiter geht's mit der nächsten...

Familienraum Vollmarshausen

weiterlesen »»»

HerbstGold gewinnen – Das BaddschenGold-Brauereigespann kommt!

02.10.2018

Der Sommer verabschiedet sich allmählich, die Tage werden kürzer...

Gemeinde Lohfelden und Dorffestausschuss Vollmarshausen 1952 e.V. | info(at)vollmarshausen1000.de